N°5 - Cockerill n° 975 "Jojo"

Aktueller Stand: in der Restaurierung

Die Cockerill 975 "Jojo" von 1875 ist die drittälteste erhaltene belgische Dampflokomotive! Sie verdankt ihren Spitznamen der Frau des Vorbesitzers, die sie Marie-Jo nennt. Die Lokomotive wurde 1875 von dem Konstrukteur Société Anonyme John Cockerill in Seraing ausgeliefert. Der Brite John Cockerill war 1802 in das heutige Belgien ausgewandert und hatte dort später ein Industrieimperium gegründet. Im Jahr 1835 begann er als erstes Unternehmen in Belgien mit der Herstellung von Dampflokomotiven. Nach dem Bau von 3300 Dampflokomotiven wurde die Produktion 1950 eingestellt (das Unternehmen baut heute noch Diesellokomotiven).

Jojo in Baasrode-Nord

Jojo gehört zum Typ III der erfolgreichen Modelldampflokomotiven mit vertikalem Feldkessel der Firma Liège. Die Form des Kessels gab diesen Lokomotiven den Spitznamen bouteille (Flasche). Dieses Modell hatte 2 große Vorteile gegenüber einer klassischen Lokomotive. Erstens betrug die Zeit, bis die Lokomotive unter Druck stand, nur 1 Stunde im Vergleich zu 4 Stunden bei einer normalen Industrielokomotive. Außerdem konnte die Länge zwischen den Rädern begrenzt werden, wodurch die Lokomotive schärfere Kurven fahren konnte. Die Lokomotiven konnten in verschiedenen Größen und Spurweiten geliefert werden, die in sechs Typen unterteilt wurden.

Die Lokomotive hatte eine lange kommerzielle Karriere von fast 100 Jahren! Zunächst wurde sie an die Hennegauer Kohlengruben der Charbonage Mariemont d'Olive geliefert, die später in der S.A. des Charbonnages de Mariemont-Bascoup aufging. Um 1910 war der Kessel verschlissen und Jojo wurde in Cockerill gegen einen stärkeren Typ IV ausgetauscht. Sie erhielt einen neuen Kessel (den sie immer noch hat) und fand ein neues Zuhause in der Kohlenmine der Société anonyme des Charbonnages de Patience et Beaujonc réunis in Glain bei Lüttich. Dort wurde sie am 15. November 1912 in Dienst gestellt. Zusammen mit 7 weiteren Lokomotiven unterschiedlichen Alters, die alle der Firma Cockerill gehörten, da diese nur wenige Kilometer entfernt war, übernahm sie den internen Transport für das Bergwerk. Zu diesem Zweck war sie auch mit Puffern zum Ziehen von Schmalspurwagen ausgestattet. Im Jahr 1970 wurde das Feuer in dieser Lokomotive endgültig gelöscht. So dachte man jedenfalls.  

Jojo neben ihrer jüngeren Schwester (Nr. 2643) in Baasrode-Nord)

1974 erhielten einige Eisenbahnfreunde aus Lüttich die Erlaubnis, die Lokomotive zu restaurieren. In der SNCB-Werkstatt in Kinkempois wurde Jojo komplett überholt und kehrte 1976 anlässlich der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der SNCB unter Druck zurück. Danach kehrte sie nach Glain zurück. Das Bergwerk war zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen, aber ein Kohlehändler gleichen Namens kam auf das Gelände und verwendete die alten Dampfer als lebensgroße Werbetafeln. Sie wurde dann noch einmal in Ans ausgestellt. 

Eine Zeit lang blieb es ruhig um Jojo, bis Anfang der 1990er Jahre der Limburger Dampfverein die Lok zusammen mit einer etwas jüngeren Schwesterlok aus dem Bergwerk kaufte. Am 6. April 1993 kam die Lok in den Bahnhof As, wo der Museumsverein seinen Sitz hatte. Hier erhielt sie ihren Namen Jojo, nach der Ehefrau des Präsidenten der LSV. Nach einer kurzen Restaurierung, bei der hauptsächlich Bleche und einige Rohre ersetzt wurden, konnte am 24. Juli 1994 die erste Probefahrt stattfinden. Ein Problem mit einem undichten Moderator konnte bald behoben werden und Jojo wurde am 15. August 1994 feierlich eingeweiht. Anschließend führte sie auf dem Hof des Bahnhofs Ash Fahrten für Touristen durch. 

Jojo wurde für ihren Transport nach Baasrode auf den Tieflader geladen.

Jojo schien eine große Zukunft als Museumslokomotive in Limburg zu haben, doch es kam anders. Aufgrund interner Querelen bei der LSV landete die alte Dame im Jahr 2000 im Vorgarten des ehemaligen Vorsitzenden. Ihr Zustand verschlechterte sich immer weiter und 2008 musste sie dort weg. Glücklicherweise wurde die Tubize 2069 asbl informiert und konnte Jojo erwerben. Am 2. August kam die Lokomotive auf dem Landweg im Bahnhof Baasrode-Nord an. 

Dort blieb sie dann einige Zeit stehen, doch im November 2010 wurde mit der aufwändigen Restaurierung von Jojo begonnen. Die Restaurierungsarbeiten wurden jedoch schnell gestoppt, da die Reparatur von Cockerill 2643 Vorrang hatte. Um 2013 konnten die Arbeiten dann fortgesetzt werden. Wieder kam etwas anderes dazwischen und unterbrach die Restaurierung: das gigantische Restaurierungsprojekt der Lokomotive Tubize 2069 "Helena" der gleichnamigen gemeinnützigen Organisation. Erst ab 2020 war wieder Zeit für die Arbeit an Jojo. Seitdem wird im Stillen an den umfangreichen Restaurierungsarbeiten weitergearbeitet, aber da sie in erster Linie ein Prestigeprojekt ist, steht sie auf der Prioritätenliste ganz unten.  

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