Aktueller Stand: nicht betriebsbereit

Die Lokomotive Duvel wurde 1946 in den Fabriken von Henschel & Sohn in Kassel, Deutschland, gebaut. Henschel wurde 1810 als Stahlwerk gegründet und produzierte eine breite Palette von Gütern, von Kanonen bis zu Stahlbrücken. Mit der Erfindung der Dampflokomotive und ihrem Einzug in Deutschland begann das Unternehmen 1844 mit dem Bau der ersten Henschel-Dampflokomotiven. Die Firma setzte sich durch und hatte großen Erfolg; viele ihrer Lokomotiven wurden auch international verkauft. Aber auch für die Deutsche Reichsbahn wurden viele Lokomotiven gebaut. Auch Autos, Lastwagen, Panzer und Kampfflugzeuge wurden im Laufe der Jahre in den Katalog aufgenommen. Es sollte daher nicht überraschen, dass das Unternehmen während der beiden Weltkriege an der deutschen Kriegsmaschinerie beteiligt war.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Lieferanten aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit der Eigentümer unter dem Marktwert verkauft. Henschel kaufte daraufhin viele von ihnen auf. Mit dem Fortschreiten des Krieges konzentrierte sich die Produktion von Henschel immer mehr auf Kriegsfahrzeuge. Die Fabriken erhielten auch 6.000 Zwangsarbeiter. 1943 wurde das Werk zusammen mit dem Rest von Kassel bei einem alliierten Bombenangriff schwer getroffen, 7.000 bis 10.000 Menschen wurden in Kassel getötet. Im Mai 1945 beschlagnahmte die US-Armee das Gelände. Trotz der fast vollständigen Zerstörung gelang es der Armee, die Reparatur und Produktion von Lokomotiven wieder aufzunehmen. Da Henschel ein bedeutender Waffenhersteller für die deutsche Armee war, traute man dem Unternehmen bis 1946 nicht zu, kleinere Industrielokomotiven für Privatpersonen zu bauen.

So kam es, dass die Lokomotive 29884 im selben Jahr das Werk verließ. Sie war die Henschel D600 mit 4 gekuppelten Achsen (Achsfolge D) und einer Leistung von 600 PS, daher der Name. Die Konstruktion war eine komplette Neuentwicklung aus der Nachkriegszeit. Trotz der schwierigen Zeiten, in denen sie gebaut wurde, war die Lokomotive sehr gut mit den neuesten Funktionen ausgestattet. Sie verfügte über eine Dampfpumpe zum Bremsen mit Druckluft, einen Stromgenerator für die Beleuchtung innerhalb und außerhalb der Lokomotive und einen modernen Führerstand. Das Design setzte sich durch, doch der Markt für diese Art von Lokomotiven war nicht mehr sehr groß. Letztendlich wurden nur 53 Lokomotiven dieses Typs gebaut. Die Lokomotive 29884 hatte eine sehr abwechslungsreiche Karriere.



Noch im selben Jahr konnte sie bei der Hersfelder Kreisbahn in Dienst gestellt werden, hier blieb sie nur 8 Jahre, denn schon 1954 wurde sie an die Ilseder Hütte weiterverkauft. Auch dort leistete sie 8 Jahre Dienst, bevor sie an die Zeche Herne weiterverkauft wurde, dort leistete sie weitere 8 Jahre und wurde wieder verkauft. Sie schloss sich dem Eschweiler Bergwerksverein (EBV) an, hier blieb sie 19 Jahre lang, hier wurde sie auch Anna 2 genannt. Im Jahr 1989 verließ sie auch diesen Verein. Im Jahr 1990 gelang es dem Verein BVS (Belgische Freunde der Dampflokomotive, alter Name Stoomtrein Dendermonde Puurs), sie zu erwerben und eine Restaurierung zu beginnen, die es ihr ermöglichte, 1993 wieder zu fahren. Die Mittel für den Kauf und die Restaurierung stammten aus einem Zuschuss, dem Verkauf der Lokomotive Tubize 2069 an VZW Tubize 2069 und einem Sponsoring durch die Brauerei Duvel Moortgat, die ihren Sitz in der Gemeinde Puurs-Sint-Amands hat. Dieses Sponsoring legte auch den Namen der Lokomotive fest. Als sie 1993 schließlich in Betrieb genommen wurde, trug sie den Namen Duvel und ihre ursprüngliche Lackierung.

Seltsamerweise war es jedoch ihr zweites Leben bei der Vereinigung, das mit nur vier Jahren am kürzesten war. In diesen vier Jahren leistete sie die Arbeit, die zuvor von Cockerill 2643 geleistet wurde. Duvel bot mehr Leistung, wo der Verband sie gebrauchen konnte. Auch durfte die BVS damals noch bis zum Bahnhof Dendermonde fahren, so dass Duvel in einem der größeren belgischen Bahnhöfe mit viel Show vor das Publikum treten konnte. Nach seinen vier Jahren war es dann aber wirklich vorbei. Es gab Schäden am Kessel, Schäden, die beim Kauf der Lokomotive bekannt waren, und vor allem Schäden, deren Reparatur mehr kosten würde, als die Lokomotive wert war. Duvel wurde ausgemustert und man entschied sich, Cockerill 2643 wieder in Betrieb zu nehmen. Bis heute ist Duvel ohne die Absicht, sie zu restaurieren, auf der Strecke geblieben. Sie ist nicht unser bestes Stück im Fuhrpark, weil sie nicht alt, nicht einzigartig und nicht belgisch ist. Heute gibt es noch 9 Henschel D600 Lokomotiven, von denen einige noch in Betrieb sind, wie 29893 bei "Schluff" und 29892 beim Museums-Eisenbahn-Club Losheim.


| Masse | 65,9 Tonnen |
| Jahr der Errichtung | 1946 |
| Maximale Geschwindigkeit | 40 km/h |
| Strom | 600 PS |
| Werks-Nr. (Henschel-Seriennummer) | 29884 |
| Lagerbestand | 2500 kg Kohle 6000l Wasser |
| Achsanordnung | D |
| Bauherr | Henschel & Sohn |
| Funktionsprinzip | Horizontaler Kessel mit Flammrohren |
| Max. Betriebsdruck | 12 bar |
| Flammrohre | Stahl 253 Einheiten |
| Feuerbüchse | Kupfer 2,2 m² (Fläche des Gitters) |
| Kessel | Stahl Beheizte Gesamtfläche: 126,5m² |
| Wasserbefüllungssystem | 2 Einspritzdüsen |
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