N°4 - Tubize n° 2069 "Helena"

Aktueller Stand: betriebsbereit

Eine Säule unseres Vereins ist die Dampflokomotive Tubize 2069 "Helena", innerhalb des Vereins wird sie Tubize genannt. Heute ist sie die stärkste betriebsfähige Dampflokomotive in der Werkstatt in Baasrode. In der Zwischenzeit hat sie viel erlebt: vom ersten Ausrollen aus dem Werk über eine Zeit ohne sichere Zukunft bis hin zur Teilnahme an Europas wichtigstem Dampflokfestival. Um also die ganze Geschichte zu erzählen, beginnen wir mit dem Kontext ihrer Entstehung.

Im Jahr 1854 wurde die "Société Anonyme la Métallurgique" gegründet, als in der Gemeinde Tubize eine Lokomotivwerkstatt eingerichtet wurde. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Werkstatt zu einem großen Lokomotivenhersteller. Im Inland produzierte sie eine Vielzahl von Lokomotiven, zum Teil für private Unternehmen, aber auch im Auftrag der belgischen Staatsbahn. Auch international war das Unternehmen sehr erfolgreich: Lokomotiven aus Tubize wurden bis nach Finnland, Griechenland und Taiwan geliefert. Die Société Anonyme änderte auch ihren Namen in "Ateliers métallurgiques" und die Werkstatt in Tubize wurde zu einer von vielen und änderte ihren Namen in "Ateliers de Tubize". 

So kam es, dass ein Unternehmen mit Sitz in Hoboken bei den Ateliers de Tubize 3 Dampflokomotiven bestellte. Das Unternehmen, das damals Métallurgie Hoboken hieß, benötigte diese, um auf seinem großen Gelände Güter von einer Fabrikhalle zur anderen zu transportieren. Die Lokomotiven verfügten über 3 gekoppelte Achsen, um genügend Kraft zu haben. Im Jahr 1927 verließ 2069 Helena" zusammen mit den Lokomotiven 2068 und 2070 das Werk. Von da an begannen sie eine fast 50-jährige Karriere bei Métallurgie Hoboken. 

Ihre beiden Schwesterlokomotiven wurden in den 1970er Jahren ausgemustert und erlebten ein komplizierteres Ende. Sie sollten versuchsweise zu Diesellokomotiven umgebaut werden; von den ursprünglichen Lokomotiven blieb nicht viel übrig. Helena wurde, gerade weil sie nicht umgebaut wurde, als strategische Reserve für das Werk aufbewahrt und somit auch betriebsfähig abgestellt. 1988 kam die Lokomotive zum Sammler Sobemai, einem Kranunternehmen in Maldegem, dessen Besitzer zudem ein Eisenbahnfan war. Neben Tubize hielt sie auch Cockerill 2643 von SDP, Cockerill 503 von at Train 1900 und Energie 507 ebenfalls von at Train 1900. Sie verbrachte nur wenige Monate in Sobemai. Infolge der Gründung der belgischen Freunde der Dampfeisenbahn (alter Name von Stoomtrein Dendermonde Puurs) und der Wiedereröffnung der Strecke 52M (Dendermonde-Puurs) kam Tubize zum Bahnhof Baasrode Nord, was eine Spende gewesen wäre.)

Das Jahr 1991 kam, Tubize war schon 2 Jahre lang in Baasrode, aber es gab keine Pläne, sie zu restaurieren. Die Einrichtungen in Baasrode waren damals nicht optimal, um eine Dampflokomotive zu restaurieren, also entschied man sich, eine betriebsfähige Dampflokomotive aus Deutschland zu einem viel höheren Preis zu holen. Diese Lokomotive wurde zur Duvel und wurde teils aus Subventionen, teils aus der Partnerschaft mit der Brauerei Duvel Moortgat und teils aus dem Verkauf von Tubize finanziert. So wurde sie 1991 an einen neuen gemeinnützigen Verein verkauft, der bei seiner Gründung den Namen VZW Tubize 2069 erhielt. VZW Tubize 2069 ermöglichte den Kauf, ohne dass Tubize aus Baasrode wegziehen musste. Die Lokomotive Duvel war von 1993 bis 1997 bei der BVS im Einsatz, danach wurde sie endgültig ausgemustert. Nach 4 Jahren mit Duvel ging es zurück zu Cockerill 2643, um den Zugverkehr zwischen Puurs und Dendermonde durchzuführen. Ein paar Jahre lang ging es so weiter, inzwischen wurde aus Metallurgie Hoboken, Umicore. Hinter den Kulissen tat sich endlich wieder etwas für Tubize. 

Im Jahr 2001 begann Tubize mit ihrer umfassenden Restaurierung. Von Kopf bis Fuß wurde sie abgeschliffen, neu lackiert, Rohre wurden neu angebracht oder ersetzt, bis sie schließlich 2007 aus eigener Kraft aus dem Schuppen am Bahnhof Baasrode Nord fahren konnte. Von Anfang an war sie eine Erfolgsgeschichte bei BVS/SDP, sie konnte die Züge von der Lokomotive Cockerill übernehmen, da Tubize im Vergleich viel größer und stärker ist. Sie besuchte auch mehrmals die CFB (Chemin de Fer du Bocq) zu ihrem jährlichen Festival und besuchte auch den Eeklo-Dampfzug in Maldegem (damals Dampfzentrum Maldegem). 

Im Jahr 2014 musste sie jedoch aufgrund von Problemen mit dem Kessel aus dem Verkehr gezogen werden. Dann geriet VZW Tubize 2069 in ein Dilemma: Ein neuer Kessel wäre teuer und eine Reparatur extrem arbeitsintensiv. Man entschied sich für Option 2, und so kam es, dass Woche für Woche, jeden Samstag, die Freiwilligen in den Kessel krochen, um Nieten zu ersetzen oder die dünnen Teile zu entfernen. Einer der letzten Kesselschweißer, ein Beruf, den es in Belgien nicht mehr gibt, kam, um dabei zu helfen, die neuen Stahlteile in den Kessel zu schweißen.

Nach sechs Jahren Restaurierung konnte Tubize im Jahr 2020 wieder fahren. Leider war dies während der Covid-19-Pandemie der Fall, so dass man sich entschied, noch ein weiteres Jahr an ihr herumzubasteln. Jetzt zieht sie die meisten Züge bei SDP, und nach all den Dienstjahren erweist sie sich immer noch als eine vielseitige Maschine. Neben der alljährlichen Teilnahme an Scheldeland in Steam hat sie seither mehrmals am Chemin de fer du Bocq und am Chemin de fer à vapeur de trois Vallées teilgenommen. Zweimal war sie auch im Ausland, einmal im Fond-de-Gras der Bahn 1900 im Jahr 2022. Außerdem besuchte sie 2023 die Parawozownia Wolzstyn anlässlich ihres jährlichen Festivals. Das in Polen gelegene Wolsztyn ist für sein spektakuläres Festival bekannt, bei dem jährlich einige der beeindruckendsten Lokomotiven Europas zusammenkommen. Tubize reiste bis zu 1.000 Kilometer weit, um die Eisenbahn zu besuchen. Sie fuhr nicht nur während des Festivals, sondern auch die ganze Woche danach. In Polen durfte sie Strecken und Geschwindigkeiten fahren, die sie in Belgien nie hätte fahren können.

Masse42,4 T
Jahr der Errichtung1927
Maximale Geschwindigkeit40-50km/h
Strom400 PS
Fabrik-Nr.2069
Lagerbestand1700 kg Kohle
4500 l Wasser
AchsanordnungC
Durchmesser der Räder1100mm
Allgemeine technische Daten
BauherrMetallurgische Werkstätten von Tubize
FunktionsprinzipHorizontaler Kessel mit Flammrohren
Max. Betriebsdruck12 bar
FlammrohreStahl
198 Einheiten
FeuerbüchseKupfer
KesselStahl
Wandstärke: 15 mm
Beheizte Gesamtfläche: 104m²
Volumen: 5,45m³
Prozentsatz Dampf: 15%
Wasserbefüllungssystem2 Einspritzdüsen
Typ Gresham (selbstansaugend)
Zylinder2 Einheiten
Durchmesser: 430 mm
Hublänge: 550 mm
Dampfverteilung und -steuerungSchieben
Walschaerts-Schema
Technische Daten des Dampfkessels

Fotogalerie

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